Chronik

55 Jahre Mechtersheimer Karnevalverein
Kleine Chronik der „Mederscher Fasnacht“ (Harry Bettag)

Der Mechterheimer Karnevalverein e.V., kurz MKV, wurde am 19. Februar 1956 im ehemaligen Gasthaus „Zum Hirsch“ mit viel Elan und, passend zur Zeit, mit wenig Geld aus der Taufe gehoben. Mittlerweile trauern wir um einige Gründungsmitglieder, darunter Erwin Gilbert. Er war 33 Jahre lang Präsident und sprudelnder Sitzungspräsident, danach begleitete er bis ins Jahr 2009 als aktiver Ehrenpräsident unseren Verein.

Die Anfänge:
Mechtersheim, platziert an der Nahtstelle zwischen „Alemannischer Fasnet“ und „Rheinischem Karneval“ und etwas abseits „drunne im Loch“, war schon immer fruchtbarer Boden für Heimatverbundenheit und deftigen vorderpfälzischen Humor. So feierten seine Bewohner (die „Lochhewwel“) schon von Beginn des vergangenen Jahrhunderts an „Mederscher Fasnacht“ mit ausgelassener Fröhlichkeit aber noch ohne feste Organisation.
Der 2. Weltkrieg unterbrach fröhliches Narrentreiben jäh, doch fand schon 1946 mit dem Maskenball des ASV (später TuS) der Humor wieder seinen Platz in den Narrenherzen. Unvergessen bleiben Urfasnachter wie „General Teedchen“ alias Theo von Gerichten, Heinrich Miller und Heinrich Welker. Aus dieser Zeit stammt auch der Brauch der „Eiersammler“, die in Frack und Zylinder den noch improvisierten Faschingsumzug begleiteten und die gesammelten Eier nebst Schinkenspenden anschließend im Wirtshaus verspeisten.
So war die Vereinsgründung nur logische Folge, und schon am 11.11.1956 konnte die erste „Prunk“-Sitzung steigen. Überschattet von der Ungarnkrise, ungeliebt seitens der Kirche, mit wenig Geld und geringer Besucherzahl aber mit um so größerem Idealismus wurde damals der Grundstein gelegt für eine nun 55-jährige schöne Tradition. Fritz Herrmann und Hans Gruber von der Speyerer Karnevalsgesellschaft dürfen für die Gründung als Schirmherren und Mentoren genannt werden. Auch der Sektempfang zum Neujahrstag, ein fröhlicher Umtrunk mit Vereinsmitgliedern, Freunden und der Dorfobrigkeit, wurde damals schon begründet.

2 x 11 Jahre (1967-1978)

Seit 1967, dem 11-jährigen Jubiläum, entwirft der MKV seine Jahresorden selbst und schreibt durch Bildaussage und Motto Jahr für Jahr ein Stückchen Dorfgeschichte.
Faschingsbälle, Räuberball, Rosenmontagsball und Kindermaskenfest erweiterten mit den Jahren das närrische Angebot. Dabei stand vor allem die Kinderbelustigung unter besonders strenger behördlicher Aufsicht.
Der Fasnachtsumzug, traditionell dienstags, mauserte sich aus bescheidenen Anfängen zu einem Besuchermagnet für die ganze Umgebung. Seit 1968 unter der Federführung des Ortskartells Mechtersheim zeigen MKV und die anderen Ortsvereine mit immer mehr Aufwand närrische Gemeinsamkeit.
Und wenn unser Kernstück, die Prunksitzungen, trotz großer Konkurrenz durch Fernsehfasnacht und TV-Shows 1969 vom „Pfälzer Hof“ in die Turnhalle verlegt wurden, wenn dort seit 1976 gar drei Sitzungen in Folge abgehalten werden, dann zeugt das davon, dass die Besucher die dargebotene Mischung aus Büttenreden, Gesangsnummern, Tanz, Show, aus leicht ironischem bis derbem Witz und mit viel Stimmung schon immer schätzen. War früher das Bühnenbild eine Sache von wenigen Stunden, so wurde daraus, und hier ist vor allem Kuno Schwab zu nennen, mit der Zeit eine in wochenlanger Arbeit erstellte Kulisse, ein niveauvoller Hintergrund für das, was davor geboten wurde und heute noch wird.
Ab 1974 konnten Neujahrsempfang, Ausschuss-Sitzungen und vor allem die Tanz- und Musikproben in das neuerbaute MKV-Klubhaus an der Kirschenallee verlegt werden.
1978 wurde zum 22-jährigen Bestehen die erste und einzige Faschingsprinzessin „Elke I. von Architektonien“ inthronisiert. Das war wohl eine heiße Sache, denn früh morgens nach dem Jubiläumsball stand der „Pfälzer Hof“ in Flammen.
Im selben Jahr stand Mechtersheim noch einmal „kopf“: Das Ortskartell unter Karl Hufft feierte sein erstes „Altdorffest“, und mit ihm der MKV sowie alle Mechtersheimer Vereine.

3 x 11 Jahre (1978-1989)

Ein 33 Jahre lang witzig-spritziger Sitzungspräsident Erwin Gilbert, flankiert vom vielseitig einsetzbaren Elferrat, gebot über eine ansehnliche und – schon damals – eigene Schar von Büttenkanonen, Sängern, Tänzerinnen und Tänzern, Planern und „Arbeitern“. 33 Jahre lang stand Heinz Beisel als Narrenchor-Leiter, Texter, Büttenredner („De Deitsche Michel“), Moderator, einfach als der kreative Geist ihm zur Seite und im Rampenlicht. Wer hat nicht schon mal seine/unsere Hymne „Mechtersheim am Rheine“ mitgeschmettert? Aus Insider-Kreisen hört man, sie sei mittlerweile in der ganzen Welt verbreitet. Fritz Giffey war oft sein kongenialer Partner („Der große Kanitverstan“).
Im Laufe der dritten 11 Jahre vollzog sich ganz allmählich und zunächst vor allem auf der Bühne ein Generationswechsel. Zu bewährten Kräften, wie der „guten Seele“ Clärle Menke, dem Protokoller Siegfried Schega, dem Meister für Zeremonie und Technik Erich Stefanowski, dem „Handwerker für alles“ Reinhold Miller, den Show-Tänzern Karl Hufft und Hartwin „Ull“ Walter und dem Bütten-Knaller Karl-Heinz Hellmann gesellten sich neue:
Franz Handermann als Protokoller und Moderator, Gerold Weindel, einige Zeit nach Roland Weppler („Lende“), als neuer Büttel, Ruth Weindel und Ingrid Renck im Bütten-Duell, das „Holzgass-Hinnerhof-Ensemble“ mit Chor-Kabarett unter Leitung von Harry Bettag, u.a. mit dem Unikum Erich Miller, sowie das umwerfende Gesangsduo Manfred Miller mit Rüdiger „Ridsches“ Deutsch („Leisblei“). Auch unser aktueller Präsident Alexander Fantini glänzte damals schon in den unterschiedlichsten Rollen. Christa Volandt  übernahm 1984 nach Margot Beisel und ihrer Tochter Heidrun die 3. MKV-Garde.
Schon 1989 zum 33-jährigen Jubiläum übertrug man Adrian Göthert die Leitung des Narrenchors, dem er bis heute treu geblieben ist. Schon von Anfang an, d. h. als Gründungsmitglied sorgte Heiner Hirt mit seiner Gärtnerei für stilvolles blühendes Ambiente. Werner Glaser und Werner Durein brachten sich in technischer Richtung und finanziell ein, wobei letzterer die ganzen Jahre zuvor bereits als Elferrat, Sänger und „Tänzer“ aktiv war.

 

4 x 11 Jahre (1989-2000)

„Vorsicht! Narrenwechsel!“ – So überschrieben wir den Orden für das Jahr 1990, denn die Wahlen nach der Jubiläumssitzung veränderten das Präsidium grundlegend.
Heribert „Harry“ Bettag wurde zum Präsident, Erich Miller zum Vizepräsident gewählt. Rolf Willner als Kassier und Bertold Hoffmann als Schriftführer vervollständigten das neue Präsidium. Franz Handermann war „Protokoller“ und neuer Sitzungspräsident. Die 4. Garde unter Leitung von Gabi Glaser wurde neu eingekleidet. In diesem Rahmen ehrte man die Gründungsmitglieder mit einem eigens geschaffenen Orden und machte verdiente Akteure über 65 Jahren zu Ehrenmitgliedern. Das Niveau konnte trotz einiger „Generationskonflikte“ gehalten werden, und nach wie vor dürfen wir betonen: lauter „Eigengewächse“!
Doch oblag Präsident Bettag in seiner jungen Amtszeit eine traurige Pflicht: Den Umzug 1990 musste er wegen eines Orkans und die ganze Fasnacht 1991 wegen des Irak-Krieges absagen.
Überhaupt schien die neue Zeit für mehr Verschleiß zu sorgen, denn 1995 übernahm Rita Keller – Ballettmaus, Schriftführerin und Moderatorin –  das Amt als 1. MKV-Präsidentin und übergab es als frisch gebackene Frau Grünwald 1998 an die 2. Präsidentin Ingrid Gilbert. Neuer Zeremonienmeister wurde nun „Zerre“ Peter Gast, und das „Holzgass-Hinnerhof-Ensemble“ fand seine Nachfolge in „Adrian und seine Freunde“.
1990 und 1992 besang man euphorisch und kritisch zugleich die noch frische „Deutsche Einheit“ und 1993 den „ECU“, der zur Berechnungsgrundlage der EU-Währung festgelegt wurde. Mittlerweile hatte sich Charley Mohr zum neuen Büttel gemausert. Ganz beständig blieb Erich Miller. Er entwickelte sich immer mehr in die Rolle des „Allround“-Fasnachters: Vize-Präsident, Büttenredner, „Sänger“, Planer, Texter … und Produzent für Nachwuchstalente (DSDS vorweggenommen!).
Erwin Gilbert, Rudi Tretter und später Adam Lorfing dokumentierten schon früh die Sitzungen und den Fasnachtsumzug auf Zelluloid und dann auf Video. Die eingefangene MKV-Geschichte soll nun weitestgehend digitalisiert werden…
Nach Heinrich Welker, Erwin Deckert, Roswitha Morgenstern, Klaus Giffey, Ingrid Gilbert, Wolfgang Wirt, Alexander Fantini und Andy Fritzsche wurde 1994 Andreas Burger zum neuen Till erkoren.
Originale wurden neu entdeckt: „Suki“ Markus Kühn und Gero Stadler machten in jeder Rolle die (un-) passende Figur.
1995 stieg unser heutiger Sitzungspräsident Markus Weis als Moderator des Elferratsauftrittes ein und war gleichzeitig Mitbegründer der Stimmungsmusiktruppe „Pälzer Grumbeere“. „Tiger“ Michael Bachert wurde zum „Ersatzzerre“ und agiert als Chef-Zeremonienmeister bis heute. Das Bühnenbild wurde bis 1995(!) immer noch durch Kuno Schwab betreut. Er fand seine Nachfolger in Rüdiger Deutsch und Michael Albert. Die 5. Garde wurde von Susanne Ramge trainiert.
In der Kampagne 1998/99 erfolgte wieder ein Wechsel im Präsidium: Ingrid Gilbert wurde zur 2. Präsidentin, assistiert von Vizepräsident und Zeremonienmeister Peter Gast. Das Amt der Schriftführerin übernahm Tanja Stadler (später verh. Frisch), die sich über Garde und Ausschuss empfohlen hatte und sich bis heute nicht nur durch diese Aufgabe zur guten Seele des Vereins entwickelt hat. Die Kasse wurde von Rolf Willner an Harald Krembel übergeben.
Manfred Miller, Rüdiger Deutsch und Ingrid Weindel waren zur festen musikalischen Institution avanciert, und neben dem neuen Till, Angelika Beisel wurde Marion Kühn (beide ehemalige Gardemädels) zur neuen Symbolfigur des MKV, dem „Lochhewwel“ erschaffen. Neben Michael Albert (Ausschuss, Narrenchor, „Grumbeere“) waren, schon seit Jahren, Geo Schall und, ganz frisch, Michael Beyer für den Bühnenbau verantwortlich.
4 x 11 Jahre MKV (anno 2000): „Nur Fasnacht pur!“ war das Motto – und das nach 44 Jahren! Eine Jubiläums-Matinee mit Fotoausstellung, Festakt und „Mederscher Comedian Harmonists“ zeugte von altbewährter Spritzigkeit und fortwährender Präsens des MKV. Ehrenpräsident Erwin Gilbert hielt die Jubiläumslaudatio. Leider verabschiedete sich unser „11-jähriger“ Sitzungspräsident Franz Handermann in den Ruhestand. Länger als 20 Jahre war er Sänger, Mentor, Protokoller, Moderator und Organisator im Verein.
Peter Gast und Michael Beyer fanden ihre Paraderolle als „Zerre“ & „Michele“.
Im Folgejahr erfuhr unser MKV-Heim einen Umbau und eine Generalsanierung. Für die größere Anzahl an Aktiven-Gruppen, für den Fundus und für das jährliche Schlachtfest wurde mehr Platz geschaffen. Den „Sau-Orden“ gibt es übrigens nicht für die schweinischsten Witze sondern für die Spender der Sau(en). Die Heimbetreuung ging schon früh von Reinhold Miller auf Rudi Tretter und Stefan Gast über.

5 x 11 Jahre (2000-2011)

Es brachte wieder Wechsel: nämlich die DM zum € und im Präsidium: Alexander Fantini wurde neuer MKV-Präsident und ist das bis zum heutigen Tag. Doch sein Beruf im fernen Ausland bedeutete viel Arbeit für den neuen Vizepräsidenten Peter Gast, den Schatzmeister Harald Krembel und die Schriftführerin Tanja Stadler, heute Frisch. Auch Neu-Sitzungspräsident Markus Weis musste oft in dessen Rolle schlüpfen.
Nach den Römerberger Bürgermeistern Kurt Hinderberger und Günter Möhler, die gerne unsere Veranstaltungen besuchten, stieg im Jahre 2001 der „Neue“, Manfred Scharfenberger als Aktiver in unsere Prunksitzungen ein und brachte gleich seine Beigeordneten, Richard Entzminger und Heinrich Hilzensauer, später Brigitte Roos und Käthe Maier mit. Ihr Motto: „In Medersche debei – egal als was. Hauptsach, es macht widder Spaß!“ An dieses Motto hält sich übrigens auch unser protestantischer Pfarrer, Fank Maertin.
Holger Lorfing folgte Charley Mohr als neuer Büttel. Das Bühnenbild war nun in der Hand von Schreinermeister Lothar Beyer, den bis heute sein Sohn Michael Beyer sowie Malermeister Geo Schall tatkräftig bei seinen kreativen Ideen unterstützen. Dadurch entstehen tolle Bühnenbilder, die sich jährlich übertreffen. Noch als Kind dazu kam Helen Stadler, die mittlerweile auch schon 11 Jahre in der Bütt feiert. Aber unvergessen bleiben Berthold Hoffmann als „Gildo Horn“ oder Peter Gasts Auftritte als „Woimickel“ oder „Pälzer Woikänischin“: „Un wann doin Text vergesse hoscht, dann nemm doi Glas, saach äfach Proscht!“
Holger Beisel und Christian Strehl kamen direkt vom Fußballplatz als neues smartes Duett auf die Bühne, und Yvonne Bresch übernahm zusammen mit Tanja Birkle-Zürker die 6. Garde. Auch die aktuelle 7. Garde trainiert unter ihrer Leitung.
Die hervorragende Jugendarbeit von Bärbel Burger(ehem.Gardemädel u. Narrenchorsängerin) wurde seit 2003 von Yvonne Bresch und Tanja Birkle-Zürker fortgeführt.
Heute, beim 55 Jubiläum ist der Verein stolz auf:
– seine Minigarde (gegr. 2002 ) und die „Frechdachse“ mit Trainerin Yvonne Bresch
– die „Lucky Luders“ (gegr. 2005) mit Nina Gruber und Simone Zimmel,
heute trainiert von Ute Stadler, Cathrin Minig und Vanessa Blau.
Wir sind stolz darauf, dass alle unsere Trainerinnen ehemalige Gardemädels waren und so dem Verein treu geblieben sind.
 Franz Handermann wird Ehrenprotokoller, und Erich Miller führt die Tradition mit seinem „etwas anderen Protokoll“ bis heute fort.
Die immer anspruchsvollere Bühnentechnik fordert nun eine ganze Zeremonienmeister-Riege unter Leitung von Michael Bachert.
2003 fanden die ersten Halli-Galli-Faschings-Partys und die Kinderfaschings-Fete in der neuen „Rheinpfalz-Halle“ in Heiligenstein statt.
2005 ging es mit Erich Miller als Vizepräsident und Angelika Beisel als Schatzmeisterin weiter. Sebastian Fantini übernahm die Rolle des Till und trat damit in die Narren-Fußstapfen des Vaters.
Seit der Kampagne 2007/2008 begleitet Michael Beyer das Amt des Vizepräsidenten.
Christian Weis ist seit dem Jahr 2008 neuer Büttel.
Das 30 Jahre alte Altdorffest hatte Federn gelassen, und man sagte der „Casablanca-Bar“ und dem „Owwere Danzbodde“ ade. Eine Ü-30-Party in der neu hergerichteten Stadler-Scheune sorgt aber weiterhin für ausgelassene Stimmung.
2010/2011: Der MKV wird 5 mal 11!
Sitzungspräsident Markus Weis „wird 11“!
„Der Lochhewwel“ Marion Kühn „wird 11“!
Manfred Scharfenberger wird als aktiver Bürgermeister „11“!
Die Mannschaft steht, das Programm steht, der Elferrat steht bereit! –
Was soll da noch passieren?

Ein dreifaches Helau auf die 5×11 und die sechsten 11 Jahre!!!